Zukunft – Wie wollen wir leben?

Featurereihe von Christine Sievers und Nicolaus Schröder | WDR5, BR2 2020
Genossenschaft Kalkbreite, Zürich

Was tun gegen Klimakrise, Raubbau an den natürlichen Ressourcen und wachsenden Spannungen zwischen Arm und Reich? Ob die Krise der Covid-19 Pandemie zu einer ökologischen und sozialen Neuorientierung von Wirtschaft und Gesellschaft führt, ist offen. Gründe gäbe es genug.

In vier Folgen stellt die Reihe progressive Projekte, Initiativen und Unternehmen in Europa vor, die Menschen zufrieden machen und für die sie sich mit Hingabe engagieren. Projekte, die der Logik des Gemeinwohls und Teilens, statt des Profits und Zwangs zum Wachstum folgen: beim Wohnen, Produzieren, Einkaufen, Versorgen und Kommunizieren.

Folge I – Die Lust am Gemeinsamen

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400 Coop, Paris

Die Sehnsucht nach Gemeinschaft wächst. Sie reagiert auf die allgegenwärtige Vereinzelung und Überlastung. Gesucht werden neue Formen des Zusammenlebens. Ein Mehrgenerationenprojekt in der Schweiz denkt Wohnen, Leben und Arbeiten neu, ein Modell aus den Niederlanden revolutioniert die ambulante Krankenpflege und eine selbstverwaltete Supermarktkooperative in Paris bietet Biolebensmittel für alle Einkommen.
Protagonist:innen
Res Keller (Geschäftsleiter und Gründer), Thomas Sacchi (Projektleiter und Gründer), Tugba Temel (Mieterin) Kalkbreite, Zürich. Wohn- und Gewerbegenossenschaft für 260 Menschen.
Gertje van Roessel (Coach), Buurtzorg, Almelo. Modell einer dezentralen ambulanten Hauspflege, deren Pflegekräfte Menschen in kleinen, selbst organisierten Teams betreuen.
Kelly Schaefer, Valerie Boutant, Olivier Jaouen, Beatrice Jaillerat, Pierre Paul Boumendil, Genossenschaftler:innen des selbstverwalteten Bio-Supermarktes Les 400 coop, Paris.
Frank Adloff, Universität Hamburg, entwickelt Strategien zur Konvivialität – zur Kunst des Zusammenlebens

Folge II – Kapital ohne Kapitalismus

Die Covid-19-Pandemie ist der Kollateralschaden einer entgrenzten Globalisierung. Der Zwang zum permanenten Wachstum schafft außerdem soziale Ungleichheit. Doch es gibt Alternativen, die ein Marktsystem nachhaltig und menschengerecht gestalten. Vorgestellt wird ein internationales Netzwerk für gemeinnützige Unternehmen, ein finnisches Start-Up in Verantwortungseigentum, ein Unternehmer aus dem Allgäu, der seine Firma in eine Stiftung umgewandelt hat, eine Genossenschaftsbank und ein französisches Modeunternehmen, das für Entschleunigung sorgt.

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Sébastien Kopp und Mitarbeiter:innen © Veja

Protagonist:innen:
Sébastien Kopp (Co-Founder), Melanie Garnier (Kommunikation) Veja, Paris. Französisches Label für Sneaker aus fairer und ressourcenschonender Fertigung, das weltweit in 2000 Shops vertreten ist.
Achim und Adrian Hensen, Armin Steuernagel, (Geschäftsführer) Purpose, Hamburg. Netzwerk für Unternehmen in Verantwortungseigentum.
Michael Hetzer (Unternehmenserbe und Vorsitzender des Beirats) Elobau-Holding, Peter Aulmann (Vorstandsvorsitzender) Elobau-Stiftung, Leutkirch. Die Elobau-Holding ist in Besitz einer gemeinnützigen Stiftung, mit der regionale Projekte zu Umwelt und Nachhaltigkeit gefördert werden.
Niko Paech (Ökonom und Wachstumskritiker) Universität Siegen, entwickelt Strategien zur Arbeit in der Postwachstumsgesellschaft.

Folge III – Kreisläufe

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Open Plaats, Gent

Wir haben einen enormen Ressourcenverbrauch und können auf diesem Planeten nicht länger auf Kosten der Natur und auf Kosten der Menschen im globalen Süden leben. Wie Menschen Lebensräume gestalten und dabei Ökologie ins Zentrum stellen, zeigt ein Sozialkaufhaus in Belgien, ein Designteam, das aus Abbruchmaterial neue Bauelemente kompiliert und eine Höfegemeinschaft, die ein Dorf und die Natur wiederbelebt.
Protagonist:innen
Tine von Rumst (Geschäftsführerin), Bea Vanelsländer (Kommunikation), Joyce Vermeiren (HR), Ahmed Fausi (Beschäftigter im Möbellager) arbeiten bei Open Plaats, einem Sozialkaufhaus im Genter Stadtteil Brugse Poorts.
Tobias Till Keye, (Geschäftsführer) Höfegemeinschaft Pommern e.G., ist ein Zusammenschluss aus drei BioBoden Partnerhöfen und mehreren lokalen Produzenten und Erzeugern.
Nikolai Fuchs (Geschäftsführer) GLS-Treuhand, Bochum. Die GLS ist eine Genossenschaftsbank und die größte Ökobank in Deutschland.
Tobias Nolte (Co-Founder) Certain Measures, Berlin. Urban Mining nennt das Designteam ihr Arbeitsprinzip. Mit einem Rechnerprogramm werden vorhandene Materialien z.B. aus Gebäudeabbrüchen zu neuen Gebäuden kompiliert oder für eine andere Verwendung geplant.
Luisa Neubauer (Klimaaktivistin) steht für zivilgesellschaftliches Handeln.

Folge IV – Gerecht vernetzen und versorgen

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Wem gehören Erde, Wasser, Luft – und das Internet? Was ist Daseinsvorsorge und wer ist dafür zuständig? Ein Modell zur Bürgerbeteiligung bei der Energieproduktion aus Belgien, ein Software Start-Up aus Finnland und eine Energiegenossenschaft aus Deutschland führen demokratische Prinzipien des zivilgesellschaftlichen Handelns und das Experimentieren mit Möglichkeiten von Entwicklungswegen vor.

Protagonist:innen
Dirk Vansintjan, (Genossenschaftsgründer) Ecopower, Antwerpen. Bürgerbeteiligungsmodell für die Produktion erneuerbarer Energien.
Juho Makkonen (Co-Founder), Helsinki. Sharetribe ist ein finnisches Start-up, das eine Software entwickelt hat, um mit einem Peer-to-Peer-Marktplatz eine Alternative (zur Allmacht von Ebay, Airbnb, etc.) zu bieten.
Anke Domscheit-Berg (MdB), beschäftigt sich mit den Grenzen der Digitalisierung, der Teilhabe an und demokratischen Kontrolle von digitalen Netzen.

Regie: Claudia Kattanek / Redaktion: Thomas Nachtigall. Eine Koproduktion von WDR/BR 2020

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